ZfP Südwürttemberg
Uni Ulm Forschung Kinder-und Jugend-Psychiatrie
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Projekte

 

Abgeschlossene Projekte:


I. Studien mit Studienleitung im ZfP Weissenau

 

Evaluation des Behandlungserfolges der Station Clean.kick
Anette E. Fetzer, Renate Schepker

158 Patienten wurden in dem Zeitraum von September 2004 bis Mai 2005 in clean.kick aufgenommen. Davon kam es zu 73 Wiederaufnahmen im 1-Jahreszeitraum, so dass 85 Patienten in die Studie eingeschlossen werden konnten. 43,5% konnten persönlich mit dem Telefoninterview befragt werden, bei 29,4% gaben die Bezugspersonen Auskünfte und 27% wurden nicht erreicht. Die Stichprobenbeschreibung, ergänzt durch Patienten die nicht in die Studie eingeschlossen wurden, zeigt, dass sich die verschiedenen Gruppen in fast allen wesentlichen Kriterien nicht unterscheiden, so dass von einer repräsentativen Stichprobe (Gruppe A) ausgegangen werden kann.
Insgesamt ergibt der Vorher-Nachher-Vergleich, dass es bei den mit dem Telefoninterview befragten Patienten zu einer signifikanten Reduktion des Alkoholkonsums und auch hochsignifikanten Abnahme des Konsums illegaler Drogen kam. Darüber hinaus gingen die Patienten hochsignifikant häufiger zur Schule oder Arbeit. Es besteht eine hochsignifikante Abnahme der Inanspruchnahme institutioneller Einrichtungen in Bezug auf psychische Probleme und an stationären Entgiftungen. Drogeninduzierte Probleme haben sich in den Bereichen Probleme mit den Eltern, Schul-/Arbeits- oder Ausbildungsschwierigkeiten und Vernachlässigung von Interessen hochsignifikant verbessert.
Werden Mädchen und Jungen getrennt betrachtet, so zeigt sich, dass Mädchen im Vergleich zu den Jungen einen signifikanten Rückgang beim Alkoholkonsum und Jungen einen hochsignifikanten Rückgang beim Drogenkonsum haben. Im Bereich des Schul-/Arbeitsbesuchs zeigen die Jungen eine hochsignifikante Verbesserung, wobei die Mädchen hier schon vor der Behandlung in clean.kick ein besseres Ausgangsniveau hatten und somit keine signifikante Verbesserung zu erreichen war. Patienten mit einer externalisierenden Verhaltensstörung als Comorbidität zeigen im Vergleich zu den Patienten ohne eine externalisierenden Verhaltensstörung als Comorbidität keine signifikanten Verbesserungen beim Alkoholkonsum. Dieses Ergebnis zeigt sich auch bei den Patienten, die eine Störung des Sozialverhaltens als Grundstörung vor dem Substanzkonsum haben. In den Bereichen Reduktion illegaler Drogen und Zunahme Schul-/Arbeitsbesuch sind die Verbesserungen bei den Patienten mit einer externalisierenden Verhaltensstörung hochsignifikant.
Bei Patienten, die eine Intervallbehandlung in clean.kick hatten, zeigen sich bessere Ergebnisse hinsichtlich der Reduktion des Alkohol- und Drogenkonsums, wobei Patienten mit einer Einmalbehandlung ebenfalls signifikant den Drogenkonsum reduzierten. Patienten mit einer Intervallbehandlung hatten eine hochsignifikante Zunahme beim Schul-/Arbeitsbesuch, wobei Patienten mit einer Einmalbehandlung ein signifikant höheres Ausgangsniveau vor der Behandlung aufwiesen. Bei Patienten, die aus einer Familie kommen, zeigen sich deutlichere Ergebnisse hinsichtlich der Reduktion von Alkohol und Drogen und der Zunahme an Schul- /Arbeitsbesuch.
Zusammenfassend lassen sich aber keine Erfolgsmarker aus den einzelnen Variablen herauskristallisieren, die den Behandlungserfolg in Bezug auf Alkohol-, Drogenkonsum oder Schulbesuch vorhersagen.
Subjektiven Angaben der Patienten zufolge haben die Bezugspersonen während der Behandlung in clean.kick einen hohen Stellenwert. Die Patienten sehen den strukturierten Alltag als Teil des Behandlungskonzeptes als schwierig an, erkennen darin aber auch die Unterstützung und stufen ihn trotzdem als hilfreich ein. Freizeitaktivitäten, die in der Behandlung mehr Struktur und Regeln aufweisen als normalerweise, werden von den Patienten ausschließlich als positiv bewertet. Mitpatienten werden als hilfreich angesehen, von einigen Patienten als problematisch wahrgenommen, woraus die Überlegung der kleineren Gruppengröße entstanden ist. Familiäre Ressourcen stellen nach der Behandlung von clean.kick einen wesentlichen protektiven Faktor dar, ergänzt durch Freizeitaktivitäten und Schule/Arbeit. Demgegenüber stellt das konsumierende Umfeld einen zentralen Risikofaktor für die Jugendlichen dar, die durch den Wunsch der Gruppenzugehörigkeit mit gleichzeitiger Ablösung aus dem Elternhaus hier in ein Konfliktfeld geraten und dies subjektiv erkennen und einschätzen. Zuletzt konnten aus den Angaben der Jugendlichen wichtige Hinweise hinsichtlich der Prävention entnommen werden. Als wichtige Merkmale wurden hier genannt: die Zukunftsperspektive und ein geregelter Tagesablauf, eingeschränktes Drogenangebot und Aufklärung, auch für das soziale Umfeld über Risikofaktoren und protektive Faktoren in Bezug auf den Drogenkonsum, sowie ein Helfersystem und Präventionsangebote für Risikogruppen.

VERÖFFENTLICHUNG
Fetzer, A.E. (2008): Behandlungserfolg der Jugenddrogenentzugsstation clean.kick unter den Aspekten Substanzkonsum und soziale Adaption. Dissertation, GRIN Verlag.

 

 

Befindlichkeitsauswertung im Rahmen eines fortlaufenden Therapietagebuchs bei suchtkranken Jugendlichen unter besonderer Berücksichtigung von erlebnistherapeutischen Projekten und Ritualarbeit
Renate Schepker, Ulrike Amann, Robert Benz, Henrik Jungaberle, Thorsten Schag (Heidelberg)

ZUSAMMENFASSUNG
Im Rahmen dieser Diplomarbeit wird das „Erlebniszentrierte motivationale Modell (EmM)" zur Erklärung der Wirkungen erlebniszentrierter Maßnahmen in der Suchttherapie hergeleitet, empirisch geprüft und hinsichtlich seiner Gültigkeit bewertet. Die Herleitung erfolgt über erlebnispädagogische und erlebnistherapeutische Theorien und einen Rückblick auf die empirischen Befunde im englisch- und deutschsprachigen Raum. Die empirische Prüfung über eine Evaluation des erlebnistherapeutischen Angebots der Jugenddrogenstation „clean-kick" anhand zweier eigens dafür entwickelter Instrumente: eines Therapietagebuchs und des „Fragebogens zu erlebniszentrierten Maßnahmen“ (FEM). Zur Bewertung der Wirksamkeit werden jeweils eine Experimental- und eine Kontrollgruppe miteinander verglichen.
Die Ergebnisse sprechen für eine kurzfristige und eine langfristige positive Wirkung erlebniszentrierter Maßnahmen in der Suchttherapie mit Jugendlichen bei „clean-kick“. Erlebniszentrierte Maßnahmen wirken sich demnach kurzfristig auf die Variablen „Gruppengefühl“ (p=.001, Eta-Quadrat=.127), „Stimmung“ (p=.001, Eta-Quadrat=.120), „Beziehung“ (Klient-Therapeut; p=.001, Eta-Quadrat=.120), „Körpergefühl“ (p=.016, Eta-Quadrat=.070), und „Sinnhaftigkeit“ (p=.000, d=.750) aus. Langfristig beeinflussen sie die Variablen „Behandlungsaktivität“ (p=.001, Eta-Quadrat=.067), „Behandlungsabsicht“ (p=.010, Eta-Quadrat=.040), „Beziehung“ (p=.081, Eta-Quadrat=.019), „Stimmung“ (p=.090, Eta-Quadrat=.018) und „Erinnerbarkeit toller Momente“ positiv (p=.002, r=.110). Negative Wirkungen sind nicht festzustellen. Eine vermutete kurzfristige Wirkung auf die Variablen „Selbstwirksamkeit“ (p=.505, Eta-Quadrat=.006) und „Therapiemotivation“ (p=.221, Eta-Quadrat=.019) kann nicht bestätigt werden.
Das Erlebniszentrierte motivationale Modell kann diese Wirkungen weitestgehend nicht regressionsanalytisch erklären. Es wird deshalb modifiziert und in das „Erlebniszentrierte Modell“ (EM) zur Erklärung der Wirkungen erlebniszentrierter Maßnahmen in der Suchttherapie Jugendlicher überführt. Praktische Implikationen der Studie werden diskutiert.

VERÖFFENTLICHUNG
„clean-kicks" -Erlebniszentrierte Maßnahmen in der Suchttherapie mit Jugendlichen
Diplomarbeit, Ruprecht-Karls Universität Heidelberg, Thorsten Schag

 

 

Erfassung von psychotischer Symptomatik unter Methylphenidat
Holger Firnau (Herdecke), Bodo Röers (Hamm), Renate Schepker

ZUSAMMENFASSUNG
In einer qualitativ-inhaltsanalytischen Aktenanalyse in mehreren Zentren wurden Unterlagen über 1343 schwer erkrankte und oft comorbide, stationär behandelte Patienten mit einer selbst entwickelten, qualitativen und sekundär quantifizierenden Vorgehensweise bewertet.
Bis auf eine kanadische Arbeit bestanden zur Fragestellung psychotischer Symptomatik als unerwünschter Nebenwirkung von MPH keine Vorerkenntnisse. Die Studie ergab, dass von 1343 Patienten 2,16% psychotische oder präpsychotische Symptome unter der Medikation aufwiesen, 1,94% mittelgradig oder schwer depressiv und 3,05% suizidal waren.  Zwischen den Symptomgruppen gab es kaum Überschneidungen.
Bei den (prä-)psychotischen Patienten bestand in 1/3 der Fälle ein zeitlicher Zusammenhang zwischen Auftreten der Symptome und erstmaliger Gabe des Medikaments bzw. Dosiserhöhung.  Symptome traten bereits in Dosierungen unter der empfohlenen Höchstdosis von 1 mg/kg/d auf. Bei den depressiven Patienten bestand ein signifikanter Zusammenhang zwischen Auftreten der Symptomatik und Überdosierung. Patienten mit Suizidalität waren vergleichsweise eher niedrig dosiert.
In der auffälligen Stichprobe war der Anteil der Patienten mit Dosierungen von über 1,2 mg/kg vierfach höher als in der unauffälligen Vergleichsgruppe. Eine meist durchgeführte Dosisreduktion führte in fast allen Fällen zu einer Besserung der Symptomatik im klinischen Verlauf.
Die Hypothese, dass psychotische Symptome in der Stichprobe häufiger auftreten als bislang vermutet wird, konnte bestätigt werden. Als mögliche Ursachen kommen hierfür in Betracht, dass das Vorhandensein von ADHS-Symptomatik das Risiko erhöhen kann, zu einem frühen Zeitpunkt psychotische Symptome zu entwickeln bzw. dass die Einnahme von MPH das Risiko erhöht, psychotische Symptome zu entwickeln. Die Ergebnisse zeigen die Notwendigkeit eines verantwortungsvollen Umgangs mit Dosisanpassungen während der Behandlung von Patienten mit ADHS.

VERÖFFENTLICHUNG
Firnau HM, Röers B, Schepker R : Frequency of psychotic and depressive symptoms during methylphenidate treatment: a retrospective multi-center study of inpatients
Posterpräsentation auf dem Internationalen Kongress der IACAPAP (International Association of Child and Adolescent Psychiatry and Psychotherapy) Melbourne 2006.

 

 

Prospektive Untersuchung von Zwangsmaßnahmen in der stationären Kinder- und Jugendpsychiatrie
Anette E. Fetzer, T. Steinert, Wolfram Metzger, Jörg M. Fegert

Bis jetzt basiert die Diskussion über den Einsatz von Zwangsmaßnahmen bei Kindern und Jugendlichen mehr auf persönlichen Erfahrungen als auf einer empirischen Datenlage. In der Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie des ZfP Weissenau wurde prospektiv der Einsatz von Zwangsmaßnahmen über einen Zeitraum von 6 Jahren untersucht. 178 Patienten von 1939 insgesamt behandelten (9,2%) erfuhren im Zeitraum von 1999-2004 Zwangsmaßnahmen. Für die Dokumentation besteht ein Dokumentationsbogen, der neben den Stammdaten der Patienten Begründung und Durchführungsdauer der Zwangsmaßnahmen erfasste. Der Anteil der durchgeführten Zwangsmaßnahmen war im Vergleich zu anderen Untersuchungen geringer, wobei sich eine vermehrte Durchführung von Zwangsmaßnahmen bei Patientinnen bestätigte. Hauptsächlich wurden Zwangsmaßnahmen zum Schutz vor autoaggressivem Verhalten eingesetzt. Die durchschnittliche Dauer der Zwangsmaßnahmen verringerte sich nach der Einführung eines stringenten Dokumentationssystems und der mittels der Auswertungen regelmäßig geführten Diskussionen. Somit war festzustellen, dass eine stringente Dokumentation, Evaluation und Reflektion hilfreich hinsichtlich der Qualitätssicherung der durchgeführten Zwangsmaßnahmen sein kann.

VERÖFFENTLICHUNG
Fetzer AE, Steinert T, Metzger W, Fegert JM: Eine prospektive Untersuchung von Zwangsmaßnahmen in der stationären Kinder- und Jugendpsychiatrie. Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie 2006; 55:754-766.

 

 

Unterbringung von Kindern und Jugendlichen nach §1631 b BGB – Häufigkeit und länderbezogene Umsetzung
Renate Schepker, Nora Volmer-Berthele, Isabel Böge

ZUSAMMENFASSSUNG
Die antwortenden Kliniken betreiben zusammen d.h. 56 % der am 31.12.2004 in Deutschland aufgestellten 4.436 kinder- und jugendpsychiatrisch/psychotherapeutischen Krankenhausbetten (ohne Sonderkrankenhäuser, eigene Erhebung der BAG. 13,6% aller erfassten Patienten der beiden Jahre 2004 und 2005 wurden mit Genehmigung zur Freiheitsentziehung behandelt, 12,5% nach §1631b BGB und 1,1% nach dem jeweiligen Landes-Unterbringungsgesetz. Deutlich werden starke Länderunterschiede. Während in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern kaum Unterbringungsbeschlüsse zu verzeichnen sind, scheint dieses in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Thüringen deutlich öfter vorzukommen. Ein Zusammenhang zwischen Unterbringungsbeschlüssen mit der Bettendichte pro Einwohner war nicht nachweisbar, ebenso wenig eine Verbindung zu den Jugendhilfeausgaben je minderjährigem Einwohner in den entsprechenden Bundesländern.

VERÖFFENTLICHUNG: homepage des BMJ. www.bmj-bund.de

 

 

Stillen als psychoprotektiver Faktor für die frühkindliche Entwicklung
Susanne Borsbach (Düsseldorf), Isabel Boege, Renate Schepker

ZUSAMMENFASSUNG
In einer retrospektiven Studie wurden 402 Entlassbriefe einer kinder- und jugendpsychiatrischen Institutsambulanz gemäß vorab aufgestellter Kriterien klassifiziert und im Hinblick auf mütterliches Stillverhalten differenziert. Gleichzeitig wurden Stillanamnesen an einer nicht psychiatrischen Stichprobe mit 403 Probanden in mehreren Kinderarztpraxen des Einzugsgebietes anhand eines Fragebogens durchgeführt.
Beide Stichproben wurden in aufwändigen statistischen Analysen unter Einbezug soziodemographischer und Entwicklungsparameter verglichen.
Stillen stellte einen protektiven Faktor für die psychische Entwicklung des Kindes dar. Auch unter Berücksichtigung multipler anderer Risikofaktoren für die psychische Gesundheit war das Stillen die drittstärkste Einflussvariable zur Unterscheidung psychisch auffälliger und nicht auffälliger Kinder. Zudem scheint nach den vorgelegten Ergebnissen Stillen geeignet, möglicherweise erhebliche psychosoziale Risikofaktoren, wie z.B. niedrigen Sozialstatus oder Trennung der Eltern, zu kompensieren.

VERÖFFENTLICHUNG
eingereicht

 

II. Studien mit externer Studienleitung und Kooperation durch das ZfP Weissenau (i.e.L. über bestehenden Kooperationsvertrag mit der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Universität Ulm)

 

Indizierte Prävention von Suchterkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Literatur- und Projektrecherche
Ferdinand Keller, Paul L. Plener, Laura Weninger, Jörg M. Fegert (Ulm), Anette E. Fetzer, Renate Schepker

ZUSAMMENFASSSUNG
Indicated prevention describes a preventive individualized approach targeted at individuals at high risk of developing substance abuse or dependence later in their lives. The need for indicated prevention is defined via the existence of strong indicators for the development of a later (not as yet present) Substance Use Disorder (SUD). Target is the individual identified via screening procedures or who turns up voluntarily. Instruments used for such screenings were collected and are presented along with their sources.

Individual risks consist in early developmental problems like sleep problems, in externalizing and internalizing behaviour problems, several child psychiatric disorders (depression, ADHD, conduct disorder and especially the association between the latter; childhood abuse, neglect and posttraumatic stress disorder), school failure, dissocial behaviour and delinquency. Personality traits like sensation seeking may contribute. Social learning variables like peer attitudes (prevalence of norms favourable to deviant behaviour), as well as personal approval (adoption of deviant norms) constitute separate risks. Besides, academic failure and school related problems contribute to risk situations. Family factors like familial substance use/abuse, lack of parental supervision constitute additional risks. Generally, boys are at a higher risk for substance use than girls.
Identified high risk groups are adolescents in foster or residential care.
Subtyping individuals according to a common trajectory of substance use may be promising for detecting early antecedents and predicting outcomes for each subgroup separately. 
As explained in the chapter on neurobiological mechanisms, psychiatric disorders and substance abuse are linked. Psychiatric disorders in childhood and adolescence predispose to addictive behaviour and addiction, and consumption of substances (alcohol, cannabis, cocaine) support relapses into psychiatric disorders. The cerebral neuro-transmitter systems, and here especially the mesolimbic dopaminergic system, are affected in psychiatric disorders, so addictive behaviour emerges much more rapidly. Genetic and environmental factors shape the synaptic structure and function. This is the part of the network which can be pathologically modified in psychiatric disorders and therefore so vulnerable for addiction. Influences from the environment can also lead to changes in the morphology of our brain, so a broad understanding of neurobiology does not give way to mere biological determinism but is well aware of the role that factors from the outside might play. But on the other hand a neurobiological approach explains why environmental factors and learning lead to different brain structures and thereby to a greater risk for the development of substance abuse disorders.
The aim of indicated prevention efforts is not to prevent the initiation of use nor the use of substances but to prevent the development of a dependence, to diminish the frequency of substance use and to prevent “dangerous” patterns (e.g. moderate instead of binge-drinking).
A systematic search of scientific literature by means of this definition was done, as well as a request for European models of indicated prevention projects to governmental agencies.
The abstracts of the literature research were rated by an expert consensus team, from which 150 papers remained, which were finally reviewed as full text versions. Of these, only 21 clearly described programs of indicated prevention. Out of the 21 recent (year 2000+) publications, 16 could be classified as programmes on level 2-3. 6 out of the 14 programmes originated in Europe, among these, 4 qualified for level 3 (model projects).
Most of the programs from the US and other anglophone countries like Australia and UK are designed for adolescents after drug use initiation. The few programmes from other European countries refer to school identification, school based programmes and individual group therapy, for adolescents with identified problem behaviours or specific psychiatric disorders.
Interventions often were of high frequency, used manualised interventions like motivational interviewing, or a parent training programme. To address the specific drug or alcohol related issues, sometimes only minimal changes were done to existing therapeutic interventions (like cognitive behaviour therapy or family therapy).

Programmes forwarded by governmental bodies were defined as indicated prevention if they had a distinct preventive intervention with a defined target group, a defined duration and frequency and an evaluation process (optional). All programs were rated through a consensus process.  The programmes thus classified as “indicated prevention” were in each case described in a frame assembled in the logic model for the EMCDDA.
On the 53 internet sites named or from the information given on paper, 23 programmes were categorized as indicated prevention. These met level 3 standards in 1 case, level 2 standards in 2 cases (8,6%), level 1 in 5 cases (21,7%). 15 programmes (65,2%) could not be rated on any level or did not give sufficient information.  Two programmes required standards of Indicated Prevention and Level 3. The majority of programmes were set up without any evaluation (or without sufficient information on evaluation)
The 21 programmes of indicated prevention originated from the Netherlands (6), Poland (3), Hungary (2), Spain (1), Norway (2), United Kingdom (2), Germany (1), Switzerland (1), Slovak Republic (1), Czech Republic (1) and Lichtenstein (1).
They mostly tried to reach children and adolescents with social and/or behavioural problems or children from families with drug related or psychological problems.
The interventions mainly consisted in group work focused on reinforcing self-esteem and stimulate positive interactions and leisure activities, like sports, or cultural and creative activities. Some of them focussed on emergency room visits or police contacts due to the sequelae of drug and alcohol consumption.
All of the programmes also seek for an individual needs assessment and cooperate with a variety of help systems, though very few of them do referrals to neighbouring help systems in the sense of  systematic “care pathways”. Cooperation between the medical field and pedagogical and psychosocial domains is definitely needed to solve the challenges in indicated prevention of substance abuse in children and adolescents. Yet, indicated prevention seems a promising approach, especially for youngsters in a multiproblem context.
Further trials with established best practice programmes are needed, with special emphasis on their transnational transferability and cost-effectiveness. We need less new programs in fields where programs exist and are described in this expertise. Here we need evaluation and replication in different countries. For some sectors e.g. children in institutional care programs should be developed and evaluated.

 

 

Evaluation eines aufsuchenden multimodalen Behandlungsprogramms für Heimkinder zur Vermeidung stationärer kinder- und jugendpsychiatrischer Behandlungsaufenthalte
Lutz Goldbeck, Jörg M. Fegert (Ulm), Alexander Naumann (Lüneburg), Jakob Nützel, Ute Benz, Corinna Wahrenberger-Bromenne

ZUSAMMENFASSUNG
Die vorliegende Studie überprüfte die Wirksamkeit eines aufsuchenden ambulanten, multimodalen Interventionsprogrammes für Kinder in stationären Jugendhilfeeinrichtungen im Vergleich zur üblichen Regelversorgung (treatment as usual). Evaluiert wurden die Zielparameter stationäre kinder- und jugendpsychiatrische Behandlungstage, psychische Symptombelastung, psychosoziales Funktionsniveau und Lebensqualität der Jugendlichen.
In der Gruppe mit intensiver, aufsuchender ambulanter Behandlung im Modellprojekt fielen infolge kürzerer stationärer Behandlungen signifikant weniger stationäre Pflegetage an als in der Kontrollgruppe mit herkömmlicher Behandlung, und ein höherer Anteil der psychische stark belasteten Jugendlichen konnte fachärztlich versorgt werden. In beiden Gruppen kam es während des zwölfmonatigen Beobachtungszeitraumes mit intensiven pädagogischen Bemühungen zu einem erfreulichen Verlauf von psychischer Symptombelastung, Funktionsniveau und Lebensqualität. Die zu Studienbeginn stärker belastete Interventionsgruppe profitierte in hohem Maße von der Intervention, so dass durch die Integration kinder- und jugendpsychiatrischer Behandlung ein positives Ansprechen auf weitere pädagogische Bemühungen und die notwendige psychosoziale Integration der Jugendlichen erwartet werden kann.

 

 

Ich bestimme mein Leben und Sex gehört dazu. Geschichten zu Selbstbestimmung, Sexualität und sexueller Gewalt für junge Menschen mit geistiger Behinderung.
Fegert, Jörg M., Barbara Bütow, Anette E. Fetzer, Cornelia König, Ute Ziegenhain

Nach der abgeschlossenen und veröffentlichten BMBF-Studie „Sexuelle Selbstbestimmung und sexuelle Gewalt bei Menschen mit geistiger Behinderung“ (Laufzeit: Hauptprojekt: 1999 bis 2003, Veröffentlichung u.a.: Jeschke, K., Thomas, H., Wawrok, S., et al. Sexueller Missbrauch aus subjektiver Sicht von Menschen mit geistiger Behinderung, die in Wohneinrichtungen leben. In U. Lehmkuhl, ed., Ethische Grundlagen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. Vandenhoeck & Ruprecht, 2003.) wurde zur Prävention und Unterstützung der Aufklärung ein Betroffenenband in einfacher Sprache unter pädagogischen Aspekten mit entsprechenden Illustrationen erstellt.
Im Zusammenwirken von Kinder- und Jugendpsychiatrie und Pädagogik wurde ein illustrierter Ratgeber erstellt, redigiert und unter Einbezug von Betroffenen-Rückmeldungen revidiert. Dazu wurde ein Begleitband für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Institutionen, Eltern und gesetzliche Betreuerinnen und Betreuer erstellt.

Fegert, J.M., B. Bütow, Fetzer A.E., C. König, and U. Ziegenhain, Ich bestimme mein Leben und Sex gehört dazu. Geschichten zu Selbstbestimmung, Sexualität und sexueller Gewalt für junge Menschen mit geistiger Behinderung.  Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Ulm 2007.

Fegert, J.M., Fetzer, A.E., C. König, H. Thomas, K. Jeschke, U. Lehmkuhl, and U. Ziegenhain, Ich bestimme mein Leben und Sex gehört dazu. Geschichten zu Selbstbestimmung, Sexualität und sexueller Gewalt für junge Menschen mit geistiger Behinderung. Begleitband für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Institutionen, Eltern und gesetzliche Betreuerinnen und Betreuer. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Ulm 2007.

 

Laufende Projekte:


I. Studien mit Studienleitung im ZfP Weissenau

 

Isabel Böge
Kinder psychisch kranker Eltern – Etablierung von niederschwelligen Zugangswegen zu Diagnostik, Intervention und Prävention kindlicher Folgestörungen im interdisziplinären Setting
(Kinderland-Stiftung Baden-Württemberg, Projektbeginn Herbst 2008)

Kinder psychisch kranker Eltern haben ein deutlich erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens selbst eine klinisch relevante psychische Störung zu entwickeln. Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass eine ausreichende Aufklärung über Erkrankung und Behandlung der Eltern von den Kindern als hilfreich und erleichternd erlebt wird und als protektiver Faktor einzuschätzen ist, dennoch scheint bisher gerade die Altersgruppe der 4 - 10 jährigen (25 %) und 11 – 14 jährigen (50 %) wenig über die Erkrankung der Eltern und Auswirkungen derselben zu wissen. Oftmals werden entsprechende Hilfsangebote erst dann für die Kinder zugänglich, wenn sie selbst psychische Auffälligkeiten entwickeln.
Ziel und Inhalt dieses Projektes ist es deswegen für betroffene Kinder und deren Familien einen niederschwelligen Zugang zu einem präventiven interdisziplinären Hilfsangebot zu schaffen. Dieses beinhaltet mehrere Komponenten:

  1. Zunächst soll ein niedrigschwelliger Zugang in der Abteilung für Psychiatrie des ZfP Weissenau, den SINOVA-Kliniken, dem Kreiskrankenhaus Sigmaringen sowie den kooperierenden gemeindepsychiatrischen Verbünden, Niedergelassenen und Institutsambulanzen zu psychisch kranken Eltern von Kindern etabliert werden, der auch für Jugendämter nutzbar ist
  2. Es soll ein Screeningverfahren anhand des SDQ (Strengths and Difficulties Questionnaire, auch verwendet im KIGGS Projekt – Kinder-Gesundheitssurvey) und eines psychosozialen Anamnesefragebogens über die Eltern die sich in den kooperierenden Erwachsenenpsychiatrien oder/und den Jugendämtern der Region Bodensee-Oberschwaben vorstellen, durchgeführt werden.
  3. Anhand des Ergebnisses des SDQ soll dann bei schon bestehenden Auffälligkeiten eine kinder- und jugendpsychiatrische Diagnostik angeboten und durchgeführt werden.
  4. Bei Bestätigung eines Krankheitsbildes sind entsprechende individuelle therapeutische Maßnahmen zu initiieren. Auf Wunsch der Eltern werden deren Behandler darüber im Sinne der Kenntnis eines Belastungsfaktors für die Eltern informiert.
  5. Bei hingegen sich nach der Diagnostik darstellenden noch kompensierten Auffälligkeiten oder einem noch unauffälligen Screening soll den Kindern und Eltern ein modulares altersentsprechendes Gruppenangebot mit folgenden Komponenten gemacht werden:
    • Unterstützung in der Bearbeitung negativer Emotionen, wie Schuld, Scham oder Angst, die bei den Kindern infolge der Erfahrungen mit der elterlichen Erkrankung entstanden sind.
    • Ressourcenorientierte Einheiten zur Vermittlung von eigener Handlungskompetenz,
    • Anregung zum Verstehensuchen und Fragen; alters- und situationsentsprechende Aufklärung über die Symptomatik und Charakteristik der elterlichen Erkrankung
    • Da der Erfolg solcher Präventionsprojekte bisher wesentlich von der Elterlichen Kooperationsbereitschaft und dem Problembewusstsein der Eltern abhing sollen zudem zwei Elterneinheiten zur Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz sowie Informationsvermittlung über den Prozess der Kinder durchgeführt werden, möglichst unter Einbeziehung gesunder Partner der Eltern.
  6. Nach Abschluss der präventiven Einheiten ist im Abstand von 6 Monaten ein Follow-up geplant, um die Effizienz einer solchen Maßnahme im Verlauf zu evaluieren.
  7. Die Intervention wird unter Feldbedingungen ohne Ausschlusskriterien durchgeführt, ggfs. werden Gruppenangebote differenziert.

 

 

Evaluation der Hilfeverläufe im Modellprojekt JUST
Jakob Nützel, Nora Volmer-Berthele, Renate Schepker

Das Modellprojekt JUST sieht innerhalb eines stationären Rahmens eine Integration von jugendhilflicher Eingliederung und medizinischer Rehabilitation von abhängigkeitskranken Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor. Unter einem Dach werden Leistungen der Jugendhilfe nach § 34, § 35a und § 41 SGB VIII und der medizinischen Rehabilitation nach SGB V und SGB VI im Rahmen eines integrativen Leistungsangebotes erbracht.
Im Projektzeitraum wird damit gerechnet, dass die 16 Plätze der Einrichtung durchschnittlich 2,3 mal belegt werden können, d.h. es ist mit maximal 32 abgeschlossenen Hilfeprozessen zu kalkulieren . Es soll eine qualitative und intrainidividuelle Auswertung ebenso wie eine interindividuelle erfolgen. Eine katamnestische Erhebung 6 Monate nach Abschluss der Maßnahme wird bei maximal 20 Bewohnern erwartet.
Interindividuelle Differenzen sollen in Hinsicht auf die pädagogische Zielerreichung, die Befähigung für eine Integration in Arbeitsprozesse, die soziale Integration und das Erreichen des Abstinenzzieles erfasst werden.
Der Grad der Zielerreichung soll intraindividuell ermittelt werden. Die einzelnen, durch die Erfolgsparameter operationalisierten, auch von den Jugendlichen selbst eingeschätzten und definierten pädagogischen Ziele (PädZi) und die suchtspezifischen Entwicklungsziele (JUST-Erfolgs-Stern) werden als indem Zielerreichungsgrade jeweils zum Anfang der Behandlung, in der Mitte, gegen Ende und katamnestisch erhoben. Die Entwicklung der Fähigkeiten für die Integration ins Erwerbsleben wird mit dem Instrument MELBA erhoben. Es erfolgt eine wöchentliche Erhebung von emotionaler Befindlichkeit, Motivation und Beurteilung des Therapie- und Rehabilitationsprozesses durch Selbsturteil und Fremdurteil (Bezugserzieher) in einem Befindlichkeitsbogen. Korrelationen mit Suchtspezifischen und soziodemographischen Parametern werden untersucht.

 

 

Bindungsrepräsentationen drogenkonsumierender Jugendlicher im intra- und interfamiliären Vergleich
Ulrike Amann, Renate Schepker, Ute Ziegenhain (Ulm)

Methode: Adult Attachment Interviews mit Transkribierung und externer, standardisierter qualitativer Auswertung: Je 12 Eltern-Kind-Dyaden der Station im Vergleich mit nicht manifest suchtkranken, konsumierenden Jugendlichen und Eltern
Fragestellung: Drogenabhängige Jugendliche sollen sich durch häufige Beziehungsabbrüche, Belastung durch Sucht- oder andere psychische Erkrankungen in der Familie sowie ein insgesamt wenig Halt und Orientierung bietendes Umfeld auszeichnen. Bindungsstörungen, dysfunktionales Verhalten und jugendpsychiatrische Störungen sind mögliche Folgen. Untersucht werden soll, inwiefern Bindungsmustern der Eltern eine Bedeutung zukommt.
Die Pilotstudie erfasst Bindungsrepräsentationen Jugendlicher in stationärer Entzugsbehandlung und vergleicht sie mit denen ihrer Eltern (bzw. einem Elternteil) unter der Hypothese im Vergleich zu kontrollierten Konsumenten vermehrt unsichere Bindungsmuster bzw. ein  für Drogenkids oder deren Eltern /Hauptbezugsperson „typisches“ Bindungsmuster zu finden.
Methode: AAI (Adult Attachment Interview), halbstrukturiertes Interview zu Bindungserfahrungen und -repräsentationen. JTCI (12-18) (Schmeck u.a.), FAI (nach Rutter und Quinton), Resilienzskala RS-11 (Schumacher u.a.) sowie Daten aus der Basisdokumentation werden von jugendlichen Probanden erhoben. Ein AAI erfolgt außerdem mit den Eltern/bzw. einem Elternteil, das in der frühen Kindheit Hauptbezugsperson war. Probanden sind 15 manifest abhängige Jugendliche in stationärer Entzugsbehandlung, sowie deren Eltern bzw. alleinerz. Elternteil, im Vergleich zu Konsumenten im Feld ohne Abhängigkeit .
Ergebnisse:
Erste Ergebnisse weisen auf Vernachlässigung sowie unsichere, v.a. vermeidende  Bindungsrepräsentanzen bei den Jugendlichen, ambivalent-verstrickte bei den Eltern  hin.
Präsentation der ersten Daten auf dem Kongress der DGKJP März 2007, Aachen
Laufzeit: bis ca. Mitte 2008

 

 

Indikationen und Langzeitverläufe von Psychiatrischer Familienpflege bei Jugendlichen
Erik Nordmann, Ferdinand Keller / Jörg M. Fegert (Ulm), Renate Schepker
Eine vergleichende Untersuchung zur Indikationsstellung für Jugendhilfemaßnahmen im Anschluß an stationäre kinder- u. jugendpsychiatrische Behandlung

Fragestellung:
Für psychisch auffällige Jugendliche, die nach kinder- u. jugendpsychiatrischer Klinikbehandlung nicht in die Herkunftsfamilie zurückkehren können, entwickelte der sozialpsychiatrische Trägerverein Arkade e.V. seit Ende der 90er Jahre das Betreuungsmodell der psychiatrischen Familienpflege. Dieses Modell hat sich zu einer Alternative zur traditionellen Heimunterbringung entwickelt und zunehmend überregionales Interesse ausgelöst. Eine vergleichende Evaluation beider Ansätze steht bisher jedoch aus. Es wird deshalb die Frage der differentiellen Indikationsstellung und des „outcome“ beider Maßnahmen untersucht.
Methode:
Die Gruppe in die psychiatrische Familienpflege vermittelter Jugendlicher (n = 54) wird zunächst in einer retrospektiven Analyse der Krankenakten-Daten einer Vergleichsgruppe in stationäre Jugendhilfe entlassener Jugendlicher (n = 68) gegenübergestellt. Verglichen werden soziodemographische, familienbezogene und psychiatrisch-psychopathologische Merkmale beider Gruppen, insbesondere hinsichtlich Psychopathologie (MAS I-III nach ICD-10) Psychosozialem Funktionsniveau (MAS VI) Familiärer Situation, Schulisch-beruflicher Situation, Vorbehandlungen/KJHG-Vormaßnahmen, Indikationsstellung (Inhaltsanalyse). Im 2. Schritt werden Katamneseinterviews und Fragebogenverfahren mit betroffenen Jugendlichen durchgeführt und quantitativ bzw. qualitativ-inhaltsanalytisch ausgewertet. Dabei soll im Gruppenvergleich die Symptombelastung (CBCL, YSR), Globales Psychosoziales Funktionsniveau (MAS VI), Bewältigung alterstypischer Entwicklungsaufgaben: Beziehungen, soziale Autonomie, schulisch-berufliche Anpassung, Interessen/Freizeitaktivitäten , Entwicklung der familiären Situation, Entwicklung der schulisch-beruflichen Situation, Lebensqualität (ILK-J) sowie die Platzierungsstabilität und Inanspruchnahme von Hilfeleistungen betrachtet werden.
Bisherige Ergebnisse:
Beide Gruppen zeigen retrospektiv eine vergleichbar hohe Beeinträchtigung durch psychosoziale Belastungsfaktoren, wobei sich die Gruppe der in psychiatrische Familienpflege vermittelten Jugendlichen hinsichtlich einzelner Parameter (z.B. Anteil der Jugendlichen mit medikamentösem Behandlungsbedarf) durch einen noch höheren Belastungsgrad auszeichnet. Gängige Annahmen, die Unterbringung in einer Pflegefamilie komme nur für Kinder oder bestenfalls für „weniger gestörte“ Jugendliche in Frage, werden dadurch bereits in Frage gestellt
Präsentation der ersten Daten auf dem Kongress der DGKJP März 2007, Aachen
Laufzeit: bis ca. Mitte 2008

 

 

Evaluation der Patientenzufriedenheit der regel- und pflichtversorgenden Kinder- und Jugendstationen im Vergleich 2001 – 2006-7
Renate Schepker, Ferdinand Keller (Ulm)

Fragestellung:
Nach wie vor existieren wenig Daten über die Zufriedenheit von Kindern und Jugendlichen mit ihrer stationären psychiatrischen Behandlung im Vergleich zur Elternsicht. Das seinerzeit im ZfP Weissenau entwickelte und evaluierte Instrument BEST zur Erhebung der Patienten- und Elternzufriedenheit [veröffentlicht als Keller, F., S. Peter, J.M. Fegert, A. Naumann, and L. Goldbeck, Behandlungsbewertung von Jugendlichen im Verlauf einer stationär-psychiatrischen Behandlung. Zeitschrift der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 2006. 34(5): p. 367-376..; zum Instrument: Konopka, L., Keller, F., Löble, M., Felbel, D. & Naumann, A. (2001). Wie wird Patientenzufriedenheit in stationären kinder- und jugendpsychiatrischen Einrichtungen in Deutschland erfasst? Krankenhauspsychiatrie, 12, 152-156.] soll im Zeitlängsschnitt erneut zum Einsatz kommen und neben dem Gewinn zum Zwecke der Qualitätssicherung zu einer Stärken-Schwächen-Analyse der Abteilung KJPP im Vergleich zur Ersterhebung vor 5 Jahren und im Vergleich zu verfügbaren Daten aus anderen Abteilungen für Kinder und Jugendliche führen.
Methode: Fragebogenerhebung mit BEST-KJ und BEST-Eltern. Die Datenerhebung erfolgt durch nicht verantwortlich mit Pädagogik und Therapie befasste Mitarbeiter (Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten im Praktikum) pseudonymisiert zum Entlasszeitpunkt, die Fragebogensammlung erfolgt in einer verschlossenen Urne zur externen Auswertung. Die mögliche parallele Zuordnung von Eltern- und Kinderfragebögen erfolgt durch Eintrag eines Zifferncodes bei Bogenausgabe.
Aktuelle Datenerhebung und Auswertung finanziert durch QM SWZ
Laufzeit: Erhebung über 6 Monate September 06 – März 07;

 

 

Bundesweite Erhebung zur Kooperation Niedergelassene - Kliniken
Renate Schepker, Anette E. Fetzer, Gotthard Roosen-Runge (Mölln), Alexander Naumann (Lüneburg), Christa Schaff (Weil der Stadt), Elisabeth Schlüter (Münster)

Fragestellung:
Allein im Fachgebiet der Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie ist eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung nicht gewährleistet. Unterschiedliche regionale Modelle der Kooperation sind daher erforderlich und Schnittstellenproblematiken im medizinischen System besonders kontraproduktiv. Die von 2 Fachverbänden unterstützte Piloterhebung soll Aussagen zum Stand der Versorgungsqualität bieten.
Methode:
Fragebogenerhebung in Abstimmung zwischen dem Berufsverband BKJPP, und der BAG Leitender Klinikärzte KJPP. Es erfolgte quantitative Auswertung unter Berücksichtigung von Länderbesonderheiten.
Ergebnisse:
48 der 119 bettenführenden pflichtversorgenden Kliniken, die in der BAG organisiert sind, mit 26,3 % der aufgestellten Betten wurden erfasst. Ein Selektionseffekt nach ‚Bundesländern ist erkennbar, so dass ein repräsentativer Rücklauf nur aus Baden-Württemberg und Niedersachsen besteht. Aus Sicht der beteiligten Kliniken behindern lange Wartezeiten bzw. Unterversorgung mit Niedergelassenen die Kooperation an Schnittstellen, dennoch werden 85 % der Patienten zum Einweisenden zurückverwiesen. Durchschnittlich stehen im Umkreis einer Klinik 5,2 Praxen zur Verfügung (min 0; max. 34), Die Zusammenarbeit erfolgt durchschnittlich mit 5,05 Praxen (min 0; max. 20). Regelmäßige Kooperationstreffen erfolgen bei 63 % der Kliniken. Die Zusammenarbeit wird überwiegend – und übereinstimmend mit dem Votum der Niedergelassenen - als„mäßig verbesserungswürdig“ bezeichnet.
Diskussion:
Die Schnittstellen ambulant-stationär für Kinder und Jugendliche zeigen nicht so viel Verbesserungserfordernisse wie vermutet, wobei Kooperationsabsprachen und –treffen, Wartezeiten und Notfallversorgung durchschnittlich eine Intensivierung erfordern. Weitere Erhebungen und, der systematische Vergleich der Antworten aus den Sektoren mit Regionalbezug und der Abgleich mit Best-Practice-Modellen sind erforderlich-
Laufzeit: Sept. 06 – Mai 07

 

 

Prädiktoren stationärer Verweildauer in der KJPP in 4 Zentren unter Berücksichtigung der ambulanten Versorgungssituation
Renate Schepker, Bodo Röers (Hamm), Isabel Böge

Fragestellung:
Daten über die mögliche Voraussage stationärer Verweildauern (die allein eine empirisch fundierte Grundlage für stationäre Fallpauschalen bilden könnten) sind in der KJPP bisher  nur bezogen auf einzelne Zentren erhoben worden. Daher wird mit einem bereits veröffentlichten Algorhythmus (z.B. Schepker, Jahn, Grabbe 2003) ein Klinikvergleich erhoben und die Frage geklärt, ob Verweildauern stationärer Behandlungen auch von der Dichte der ambulanten Versorgung abhängen könnten.
Methode:
Anhand von Daten der Basisdokumentation und Daten der ambulanten Umfeldanalyse wird mit verschiedenen Modellen die Varianzaufklärung der Verweildauer durch Hauptdiagnose, Daten der 5. Achse MAS und durch Daten der 6. Achse MAS statistisch prädiziert und erhoben, ob eine zusätzliche Aufklärung durch die ambulanten Versorgungsdaten erfolgt.
Laufzeit: Datenerhebung abgeschlossen, ca. bis Mitte 2007.

 

II. Studien mit externer Studienleitung und Kooperation durch das ZfP Weissenau (i.e.L. über bestehenden Kooperationsvertrag mit der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Universität Ulm)

 

Implementation von Früherkennungs- und Frühinterventionsprogrammen zur Steigerung der elterlichen Feinfühligkeit
Ute Ziegenhain (Ulm), Corinna Wahrenberger-Bromenne

Fragestellung: Nach einer durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Vorstudie gilt frühe (hoch-) unsichere Eltern-Kind-Bindung als Risikofaktor für psychische Störungen und zwar besonders dann, wenn sie in Kumulation und in Wechselwirkung mit anderen psychosozialen Risiken auftritt.

Präventive Interventionen die sich an die Entwicklung elterlicher Feinfühligkeit richten sind zu implementieren.
(siehe Ziegenhain, U. (2005). Bindungstheoretisch konzeptualisierte Modelle zur frühen Prävention. Kinderärztliche Praxis, 6, 378-383;  Ziegenhain, U., Fries, M., Bütow, B. & Derksen, B. (2005). Entwicklungspsychologische Beratung für junge Eltern. Grundlagen und Handlungskonzept für die Jugendhilfe. Weinheim: Juventa.)
Methode: Im Projekt soll ein Basis- und Handlungswissen der Fachkräfte entwickelt werden, die Kontakt zu Familien mit Säuglingen und Kleinkindern haben.
Mediatorenschulung zur anschließenden Durchführung von Elternschulungen, Implementation eines Runden Tisches, Schaffung eines regionalen Netzwerkes mit Prozessabläufen bei Auffälligkeit und Vorbereitung einer langfristigen Effektivitätsevaluation
Projekt mit Mitteln der Landesstiftung Baden-Württemberg, unterstützt durch das Sozialdezernat des Kreises Ravensburg
Laufzeit: 1 Jahr ab Februar 2007

 

 


VEGA-Studie: Versorgung, Entwicklungspsychopathologie und Gesundheitsökonomie der ADHS.
Franz Resch et al (Heidelberg), Michael Schlander (Ludwigshafen und UWH), Renate Schepker

Fragestellung: Die ADHS als häufigste kinderpsychiatrische Erkrankung könnte gesundheitsökonomisch dem Asthma bronchiale bei Kindern vergleichbare Kosten verursachen.
Methode: In einer prospektiven nicht- interventionellen Verlaufsuntersuchung soll eine Baden-Württemberg-weite Erfassung von identifizierten ADHS-Patienten über Praxen und Kliniken erfolgen.
Laufzeit: zunächst 3 Jahre, Beginn: Mitte 2007
Die Datenverwaltung und -berechnung findet in der Abteilung Versorgungsforschung des ZfP Weissenau statt.

 

 

Zur Auswirkung der Angst anorektischer Patientinnen auf die allgemeine Befindlichkeit
Franziska Persch / Ulrike Schulze / Jörg M. Fegert (Ulm), Isabel Böge

Fragestellung: Bisher ist die Frage der „Gewichtsphobie“ anorektischer Patientinnen mehr unter dem Gesichtpunkt der Zwanghaftigkeit als der Angst diskutiert worden. Auch ist unklar, inwieweit diese Züge persönlichkeitsspezifisch oder therapeutischer Veränderung zugänglich sind und ob die Angst, sofern bestehend, im therapeutischen Setting mehr berücksichtigt werden müsste.
Ziel der Studie ist die Untersuchung konkreter Zusammenhänge zwischen der Angst (allgemeine Angst, gewichtsspezifische Angst) anorektischer Patientinnen und den Auswirkungen ersterer auf die allgemeine Befindlichkeit und auf die Behandlungszufriedenheit.
Erfasst werden sollen das allgemeine Angstniveau anorektischer Patientinnen (STAI: sog. State-Angst), spezifische Ängste (SPAIK-C-D: soziale Phobie, Y-BOCS: Zwangssymptome; AAS: Anorexie-Angst-Skala / Fragebogen zur gewichtsassoziierten Angst), die Angst als Temperaments- bzw. Persönlichkeitseigenschaft (JTCI 12-18), Alexithymie (Toronto-Alexithymia-Skala, TAS 26), Temperamentseigenschaften gemeinsam mit der Bestimmung der und der standardisierten Erfassung der allgemeinen (CBCL, YSR) sowie Essstörungspsychopathologie (EDI-2), intellektuelle Leistungsfähigkeit (HAWIK, HAWIE im Sinne einer einmaligen „Basis-Diagnostik“. Die Gewichtsphobie (Angst davor, zu dick zu werden; Rating) und die allgemeine Befindlichkeit und Behandlungszufriedenheit (eigener Fragebogen) sollen 2xtäglich über einen Zeitraum von 6-8 Wochen in Eigenregie der Patientinnen geschätzt werden.
Laufzeit: Mai 2005 – Ende 2007

 

 


Traumatherapie für Kinder und Jugendliche: ein Vergleich der Wirksamkeit von  Trauma-fokussierter kognitiv-behavioraler Therapie (TF-CBT) and Eye-Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR).
Lutz Goldbeck / Jörg M. Fegert / Susanne Kraft (Ulm), Isabel Böge, Renate Schepker

Fragestellung: Über die Wirksamkeit traumatherapeutischer Interventionen bei Kindern und Jugendlichen gibt es nur sehr wenige wissenschaftliche Erkenntnisse, dennoch sind posttraumatische Belastungsstörungen eine häufig vorkommende und bei Kindern oft schwergradige, zur Chronifizierung neigende Störung.
Methode: Es soll eine RCT-Studie (randomisierte Behandlungsstudie) mit der Bedingung TF-CBT (12 Sitzungen) EMDR (12 Sitzungen) im Vergleich zur Kontrollbedingung des üblichen Vorgehens unspezifischer Eltern-Kind-Beratung durchgeführt werden mit einer Katamnestischen Nachuntersuchung.
Ergebnisse einer Literaturübersicht der Arbeitsgruppe sind veröffentlicht (Kraft, S.; Schepker, R.; Goldbeck, L.; Fegert, J.M. (2006): Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung bei Kindern und Jugendlichen. Nervenheilkunde 25, 709-716)
PD Dr. Goldbeck wird zur Vorbereitung einer kontrollierten Interventionsstudie einen vierteljährigen Studienaufenthalt in USA verbringen (DFG-Stipendium).