Schloss Dellmensingen 1942. Ein jüdisches Zwangsaltenheim in Württemberg.
Eine Ausstellung des Museums zur Geschichte von Christen und Juden, Laupheim mit regionalen Bezügen zu Zwiefalten
 



 

Mit der sogenannten „Endlösung“ verschärfte das nationalsozialistische Deutschland ab 1941 seine Maßnahmen zur Vernichtung des europäischen Judentums. Auf regionaler Ebene entstand in Württemberg seit Herbst 1941 eine Reihe von jüdischen Zwangsaltenheimen. Sie dienten als Zwischenstationen auf dem Weg in die Vernichtung. Eines war Schloss Dellmensingen, in der Nähe von Laupheim. Zwischen März und August 1942 wurden hierher 128 zumeist ältere und zum Teil pflegebedürftige Jüdinnen und Juden aus Stuttgart und weiteren württembergischen Städten zwangsweise umgesiedelt. Wie belastend diese Binnendeportation insbesondere für die älteren Menschen gewesen sein muss, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass dort innerhalb von nur sechs Monaten bereits 17 Personen verstarben. Ihre Gräber befinden sich alle auf dem jüdischen Friedhof in Laupheim.
Die Sonderausstellung widmet sich erstmals diesem Thema und erinnert mit den Alten und Gebrechlichen der 1942 noch verbliebenen jüdischen Bevölkerung zugleich an eine wenig beachtete Opfergruppe des NS-Staats, für die es bis zur endgültigen Deportation in die Konzentrations- und Vernichtungslager kein Entkommen mehr gab.
Am Ausstellungsort des Württembergischen Psychiatriemuseums / ZfP Südwürttemberg am Standort Zwiefalten erfährt diese Wanderausstellung eine Ergänzung, erarbeitet und präsentiert vom Forschungsbereich Geschichte und Ethik in der Medizin des ZfP Südwürttemberg / Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie I der Universität Ulm. Thematisiert wird zum einen das jüdische Zwangsaltenheim in dem nahe Zwiefalten gelegenen Albdorf Tigerfeld. Zum anderen wird über die jüdischen Patient*innen in der ehemaligen Heilanstalt Zwiefalten berichtet. Die Einrichtung war 1939 zur Sammeleinrichtung für jüdische Psychiatriepatient*innen in Württemberg bestimmt worden. Die Patient*innen wurden 1940 Opfer der „Aktion T4“, der zentralen NS-„Euthanasie“, des Holocaust oder starben vor Ort in der Heilanstalt.

Die Ausstellung ist vom 1. Mai 2021 bis zum 31. August 2021 täglich von 9 bis 17 Uhr
im Württembergischen Psychiatriemuseum / ZfP Südwürttemberg am Standort Zwiefalten,
Hauptstraße 9 in Zwiefalten zu sehen. Sie ist kostenlos und frei zugänglich.

Bitte denken Sie an ihren Mund-Nasen-Schutz und beachten Sie die ausgehängten Corona-Regelungen.
 

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